Die Reise mit einem Hund in öffentlichen Verkehrsmitteln ist eine Herausforderung. Das gilt gleichermaßen für den Fernverkehr, wie den öffentlichen Personennahverkehr. Wenn man zusammen mit seinem Hund zur Arbeitsstelle pendelt, macht man fortwährend  interessante Erlebnisse – von überfüllten Zügen bis hin zu nicht identifizierbaren und gelegentlich übel stinkenden Flüssigkeiten oder Speiseresten auf dem Boden des Zugwaggons. Anders als bei uns Menschen sitzt oder liegt der Hund direkt auf dem Boden und wird unmittelbar von solchen Verschmutzungen betroffen. Ganz zu schweigen davon, dass ein junger Hund auch gerne mal probieren möchte.

Neben diesen teilweise fragwürdigen Zuständen hält der öffentliche Personennahverkehr im GVH, dem Nahverkehrsverbund der Region Hannover, weitere Überraschungen für Hundehalter bereit. Wer wie ich regelmäßig mit dem Hund zur Arbeitsstätte pendelt verspürt irgendwann den Wunsch den Hund der Einfachheit halber mit einer Monatskarte zu versorgen. Anders als in vielen anderen Großstädten benötigt der Hund in Hannover nämlich eine eigene Fahrkarte. Dafür ist ein Kinderticket für Einzelfahrten, bzw. ein Kintertagesticket vorgesehen. Der Hund ist also wie ein Kind zu behandeln. Denkste.

Monatskarten für Hunde – nur mit Aufpreis!

Mit der Erwartungshaltung eine Kindermonatskarte (heißt dann Schülerkarte, Kinder bis 6 Jahre sind kostenfrei) für 26,60 Euro zu kaufen, machte ich mich auf den Weg zum Üstra-Center in Hannovers Innenstadt. Dort wird mir mitgeteilt, dass eine Kindermonatskarte für Hunde nicht gelte, es müsse eine Erwachsenen-Monatskarte für eine Zone im Wert von 56,80 Euro erworben werden. Bitte, wie?

Meine Mail-Rückfrage beim Kundenservice der Üstra bestätigte diese Aussage. Kosten von 56,80 Euro für eine Monatskarte, die der mitreisende Hund nutzt. Großes Unverständnis wird mir zuteil, als ich anmerke, dass für Hunde eigentlich der Kindertarif gelten müsse. Immerhin bemüht sich ein/e Mitarbeiter/in bei Twitter um Klärung – samt ehrlicher Antwort.

Eine Monatskarte für den Hund ist teuerer als Einzelfahrscheine für den Zeitraum

Warum ärgert mich dieses Verhalten der Üstra so sehr? Zum einen ist es ein nicht nachvollziehbarer Wechsel vom Kindertarif zum Erwachsenentarif. Dieser wird damit begründet, dass das Kind ja eine Kundenkarte benötigen würde – wie sich aus dem Dialog eines weiteren unzufriedenen Hundehalters mit der Üstra ergibt.

Da ein Kind aber ja nicht rechtsfähig ist, die Kundenkarte also eigentlich an mich ginge, sehe ich hier in der Rechtsauffassung allerdings keinen Unterschied zu einem Hund.

Zum anderen ärgert mich der damit verbundene Aufpreis. Kostenseitig entwickelt sich die Änderung der Vertragsgrundlage (vom Kind zum Erwachsenen) für den Hundehalter zum Spiel mit Aufpreis. Das benötigte Ticket ist um mehr als das Doppelte so teuer, als es eigentlich sein müsste – wenn man der Kinderkarten-Argumentation folgt. In der Summe ist es sogar teurer als die Einzelfahrscheine.

Rechenbeispiel: Wenn ich an 20 Tagen im Monat mit Hund zur Arbeit reise und Einzelfahrscheine erwerbe, zahle ich 40 x 1,30 Euro. In der Summe also 52 Euro. Tagestickets kosten 2,60 Euro – macht also keinen Unterschied. An den Wochenenden benötige ich keinen Fahrschein für den Hund, da er dann kostenlos auf meiner eigenen Mobilcard mitreisen darf, entsprechend sind diese Tage nicht anzusetzen. Alleinreisende Hunde dürften eher die Ausnahme sein. Das Monatsticket dagegen kostet 56,80 Euro, ein Aufpreis von 4,80 Euro. Bei normalen Erwachsenen kostet das Einzelticket (Eine Zone) 2,50 Euro, die Monatskarte ebenfalls 56,80 Euro – die Monatskarte bedeutet also eine Ersparnis von 43,2 % bei ebenfalls angesetzten 20 Nutzungstagen. In meinen Augen stellt das eine Diskriminierung des Hundehalters dar!

Bedeutung von Hunden im Büro ist unbestritten

Bliebe die Frage, warum ich mit Hund reise. Zum einen ist meine Hündin noch sehr jung und kann nicht den ganzen Tag allein Zuhause sitzen. Zum anderen sind Bürohunde eine Bereicherung für das Unternehmen. Es ist also nicht ganz so abwegig täglich mit dem Hund zu reisen. Das finden auch viele Mitreisende, von denen ich durchweg positives Feedback erhalten und inzwischen mit vielen persönlich in Kontakt gekommen bin. Grad ein junger Hund öffnet die Herzen und „bahnt“ schnell ein Gespräch an – viel öfter, als es sonst in der Anonymität einer Bahnfahrt des ÖPNV geschieht.

___ Update: Reaktion der Üstra auf meinen Blog-Beitrag

Die Üstra reagiert auf meinen Blogbeitrag:

Immerhin hat man jetzt das erste Mal eine nachvollziehbare Begründung geliefert, wenngleich die Üstra damit immer noch einen Bogen um die eigentliche Kritik macht. Die normalen Kinderkarten sind ja offensichtlich nicht vom Land Niedersachsen subventioniert, entsprechend müsste es auch dort eine angemessene Monatskarte geben. Der Preis dürfte um die 30 Euro betragen, wenn ich das normale Rabattsystem der Üstra bei den Monatskarten zugrunde lege.

Und noch mal (falls es untergegangen ist): In anderen Städten ist der Transport von begleitenden Hunden sogar kostenfrei.

___ 2. Update: Zeitungsartikel in der NP

Die Neue Presse hat das Thema am 29.10.2014 aufgegriffen und einen umfangreichen Artikel zu dem Thema veröffentlicht.

4 Antworten auf &‌#8222;Wie man bei der Üstra Hundehalter diskriminiert&‌#8220;

  1. Die Hundemitnahme ist im GVH unter bestimmten Bedingungen zulässig, wird aber nicht von allen Fahrgästen begrüßt. Fahrgäste mit Hundephobie oder mit kleinen Kindern machen um große Hunde gern einen großen Bogen. Im Fahrzeug, insbesondere im Bus ist das jedoch nicht immer möglich. Auch einige Hunde fühlen sich in Massenverkehrsmitteln erkennbar nicht wohl. Andererseits gibt es Hundebesitzer, die einen triftigen Grund haben, ihren Hund mit in den Bus oder in die Bahn zu nehmen.

    Insofern musste der GVH versuchen, einen Kompromiss zu finden. Der Kompromiss besteht darin, dass die Hundemitnahme mit einem KinderTicket möglich ist.

    Monatskarten für Hunde gab es im GVH lange Zeit nicht. Aufgrund einzelner Wünsche hat der GVH dann die Möglichkeit eingeräumt, einen Hund mit einer MobilCard für eine Zone mitzunehmen.

    Es gibt im Übrigen keine „Kinder-Monatskarte“. Es gibt zwar Schülerkarten, die preiswerter sind als Erwachsenenkarten. Dafür bekommen die Verkehrsunternehmen staatliche Ausgleichszahlungen. Für Hunde dürfen deshalb keine Schülerfahrkarten verkauft werden.

  2. Da das Produkt Kinderkarte ja frei zu kaufen ist, scheint es nicht subventioniert zu sein, was spräche dagegen, eine entsprechende Monatskarte zu schaffen?

    Ich kann die Kritik nachvollziehen, dass es auch unangenehme Begegnungen mit Hunden gibt. Jedoch gibt es die auch mit Menschen ohne Körperhygienekompetenz oder angetrunkenen Fahrgästen am späten Abend. Da würde man sich bei allem Unmut solch eine Diskriminierung wohl niemals erlauben. Sollte die Abwesenheit einer „fairen“ Monatskarte der Versuch sein, die Summe der Mitfahrten von Vierbeinern „zu steuern“ sollte man es bitte auch entsprechend benennen und nicht mit zweierlei Maß messen.

    Fraglich ist dann auch, warum es in anderen Städten ganz ohne Aufpreis geht, da müssten ja ähnliche Berührungsängste bestehen.

  3. Du sprichst mir aus der Seele. Die Mitnahme von Hunden so sehr zu reglemtieren, weil es Menschen gibt, die unter Hundephobie leiden etc – lachhaft und fadenscheinig. Wer schützt mich und abertausende anderer Menschen vor unserer Achselschweiss-, Kopfhörerlärm-, Bierfahnen-, Döner- und Prollphobie???? Die Hunde, die ich kenne, benehmen sich besser als die Mehrheit der Menschen. kann die Üstra ja morgens und abends ein Wilde-Hunde-Anteil einrichten 😉

Kommentare sind geschlossen.