Warum Analogkäse keine nachhaltige Lösung ist

Käse ist für mich ein wunderbarer Bestandteil eines mit Rotwein und wertvollen Gesprächen angereicherten Abends. Das Naturprodukt glänzt dabei mit einer riesigen Bandbreite an Sorten und Geschmacksrichtungen. Neu auf dem Markt ist seit einiger Zeit der so genannte Analogkäse. Der ist kein Naturprodukt mehr und Geschmack hat er eigentlich auch nicht. Es ist nicht mal Käse.

Die Nahrungsmittelindustrie nutzt Analogkäse aus verschiedenen Gründen. Zum einen ist durch die Zusammensetzung der Grundstoffe das Verhalten des Kunstkäses in Bezug auf Temperatureinwirkung gut zu steuern. Viel ausschlaggebender dürfte jedoch der Faktor Kosten sein. Analogkäse lässt sich günstiger herstellen als das Naturprodukt. Und so findet der Kunstkäse bereits heute den Weg auf viele Tiefkühlprodukte.

Was ist Analogkäse eigentlich?

Sucht man Kunstkäse bei Wikipedia findet man folgende Informationen zu Herstellung und zu den Inhaltsstoffen (Auszug):

Für heutige Kunstkäse dienen meist Wasser, Milch-, Soja- oder Bakterieneiweiß und Pflanzenöle wie Palmöl als Grundstoffe, teils auch Stärke. Weitere Zutaten sind Emulgatoren, Aroma- und Farbstoffe, Salz und Geschmacksverstärker, um Geschmack und Aussehen an Vorbilder wie Parmesan, Emmentaler, Mozzarella, Feta oder Camembert anzunähern. Da kein Reifungsprozess notwendig ist, ist die Produktionsdauer gegenüber echtem Käse stark verkürzt. Zur Herstellung wird Pflanzenfett erwärmt, mit einer vorgefertigten Trockenmischung und Wasser vermischt, erhitzt, dann wird Aromakonzentrat eingerührt und alles verpackt und gekühlt.

Bleibt die Frage, ob so etwas gesund ist. Diese Frage kann zur Zeit noch gar nicht wirklich beantwortet werden. In der taz vom 16.4.2009 wurde diese Frage ebenfalls gestellt (Zum Artikel). Dort wird Maria Roth, Amtsleiterin des chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes in Stuttgart wie folgt zitiert:

Analogkäse ist nicht gefährlich. Aber es ist eben ein Billigprodukt.

Der Spiegel griff das Thema am 10.7.2009 ebenfalls auf und identifizierte zusammen mit Verbraucherschützern neben Analogkäse weitere Sauereien der Lebensmittelindustrie. Unter dem Titel „Verbraucherschützer decken Lebensmittel-Trickserein auf“ wird neben Analogkäse auf viele andere Produkte hingewiesen, die künstlich hergestellt werden. Immer damit verbunden eine Ersparnis im Verhältnis zum natürlichen Produkt.

Sind die Produktionskosten wichtiger als die Gesundheit der Konsumenten?

Es ist nicht neu, das Lebensmittelkonzerne seit langer Zeit mit künstlichen Aromen und anderen Zusatzstoffen (Beispiel: Erdbeeren im Joghurt sind in Wirklichkeit Weichholz) den Verbraucher täuschen. Wer nicht genau hinschaut und sich stetig über neuste Beschreibungen informiert hat keine Chance eben nicht eine Flut an künstlichen Produkten zu kaufen und später auch zu verzehren. Nicht selten würden wir uns ekeln, wenn wir wüssten, was genau wir da essen.

Wird das alles durch das Argument der günstigeren Kosten legitimiert? Oder haben Hersteller von Lebensmitteln nicht auch eine gewisse Verantwortung für ihre Konsumenten? Aus meiner Sicht werden kurzfristiger Ertragsziele hier über das Konsumentenwohl gestellt. Der ethische Wertemaßstab ist im Management dieser Unternehmen verrückt. Wie geht das weiter?

Es ist ein Phänomen, ähnlich den Großbanken das wir derzeit erleben. Gewinnmaximierung geht über alles. Wert wird in Geldwert ermittelt. Profitabilität muss steigen. Langfristig ist dieser Weg aber nicht zu gehen. Verbraucher werden immer besser informiert und der Wunsch nach natürlichen Produkten steigt. Nachhaltigkeit bedeutet qualitativ hervorragende Produkte in den Markt zu bringen. Es kann nicht sein, das genau die Verbraucher, denen eh schon wenig Geld zur Verfügung steht auch noch mit minderwertigen, künstlichen Produkten „bestraft“ werden. Es kann nicht sein, das Lebensmittelhersteller ihre Konsumenten geschickt über die wirklichen Inhaltsstoffe ihrer Produkte täuschen dürfen. Es ist Zeit für ehrliche Produkte!

2 Antworten auf &‌#8222;Warum Analogkäse keine nachhaltige Lösung ist&‌#8220;

  1. Oder haben Hersteller von Lebensmitteln nicht auch eine gewisse Verantwortung für ihre Konsumenten?

    Haben Konsumenten nicht auch eine gewisse Verantwortung für sich selbst? Einfach das Zeug nicht kaufen, dann wirds auch bald nicht mehr produziert. (Womit ich natürlich nicht sagen will, dass sich die Lebensmittelkonzerne nicht verantwortungsvoller benehmen könnten. Aber Jammern ohne Konsequenzen zu ziehen ist scheinheilig.)

    Grüße
    Marcel

  2. Natürlich liegt die Verantwortung beim Verbraucher. Dennoch behaupte ich: Es ist ein interessantes Zusammenspiel zwischen billigen Produkten, verdeckten Verbraucherhinweisen und vermutlich eher niedrigen Einkommens- und Bildungsschichten, das da zusammentrifft. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

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