Greenwashing im Namen der Manomama-Pfandtasche bei DM?

Heute las ich etwas, das mich sehr erstaunt hat. Ein vom Prinzip her eher unverdächtiges Unternehmen – ja fast eine Love Brand –macht etwas, dass ich meiner Meinung nach und mit den mir vorliegenden Informationen als Greenwashing und Verbrauchertäuschung bezeichnen würde. Aber zurück zu Anfang.

Kooperation von Manomama und DM

Ich bin ein großer Fan von Sina Trinkwalder und Ihrem Unternehmen Manomama. Ich habe mich sehr gefreut, als Sina die Kooperation mit DM bekannt gibt, die es Manomama ermöglicht ihren Ansatz von sozialer und fairer Arbeit in die Tat umzusetzen. Ein großartiges Projekt einer sehr engagierten Frau, die ich persönlich kennenlernen durfte und sehr wertschätze.

Neben Manomama profitiert auch DM von der Kooperation. Die Presse berichtet gerne über dieses Musterstück an unternehmerischem Engagement. Sina Trinkwald und auch Götz Werner von DM werden von den Medien für diese tolle Kooperation mit großem Applaus bedacht. Denn neben der Tatsache, dass Sina vielen Frauen wieder eine berufliche Perspektive bieten kann, werden die Taschen auf höchstem ökologischen Niveau hergestellt.

A Gamechanging Moment?

Wie ich heute in einem Blogpost von Mamamiez lesen musste, hat DM sich von der nachhaltigen Manomama-Idee (zumindest teilweise) verabschiedet. Sina Trinkwalder verweist auf Ihrem Twitter-Account selbst auf das Blogpost und zeigt sich dort sehr erstaunt – sie habe keine Informationen über diese Entwicklung und sehe das indische Produkt in dem verlinkten Blogpost selbst erst zum ersten Mal. Manomama stelle aber weiter Taschen für DM her und zwar bis hin zum Garn komplett „made in Germany“.

Dem Anschein nach bietet DM jetzt nahezu identische Pfandtaschen aus Indien an. DM selbst spricht auf der eigenen Website jetzt von zwei Produktionsstandorten für die Pfandtasche: Augsburg (dort sitzt Manomama) und Indien. Das hat Geschmack. Ein tolles Projekt wird so konterkariert. Kapital siegt scheinbar über ökoligisch-soziales Engagement, auch, wenn das Unternehmen selbst angibt mit der Produktion in Indien ebenfalls ein soziales Engagement abzubilden. Wie ich oben schon beschrieben habe, DM ist eigentlich eher unverdächtig.

Stutzig macht mich die fehlende Kommunikation in Richtung von Manomama. Das lässt zumindest bei mir den Verdacht entstehen, dass nach einer Phase großer Wirkung nun das wirtschaftlich attraktivere Greenwashing stattfindet und für den Verbraucher unbemerkt ein komplett anderes Produkt in die DM-Märkte einzieht. Als Kunde wünsche ich mir hier mindestens eine klarere Kennzeichnung, denn das Produkt ist definitiv ein anderes und stammt aus einer fragwürdigen Produktionsumgebung. Für Manomama wünsche ich mir, dass es sich nur um ein Hirngespinst eines übermotivierten Managers handelt und dieser Vorgang korrigiert wird.

Hinweis: Falls sich in der Geschichte etwas tut, werde ich diesen Beitrag ergänzen.

__ Update: DM erklärt sich

Kai Thrun hat DM auf Facebook direkt auf das Thema angesprochen und erhielt eine Antwort von DM, die ich hier nicht vorenthalten möchte. Obwohl der Text PR-technisch gelungen ist, erhärtet sich in meiner Meinung der Greenwashing-Verdacht damit.

6 Antworten auf &‌#8222;Greenwashing im Namen der Manomama-Pfandtasche bei DM?&‌#8220;

  1. Sie schreiben, Frau Trinkwalder hätte von der Entwicklung des indischen Produkts nicht gewußt – können Sie mir sagen, woher Sie diese Information beziehen? Im Blogpost hat Frau Trinkwalder lediglich geäußert, dass sie „die rote Tasche“ zum ersten Mal gesehen hat. Die Aussage, dass sie von dm nicht informiert war, trifft sie zumindest an dieser Stelle nicht und kann höchstens hinein interpretiert werden. Hatten Sie hier mit Frau Trinkwalder Kontakt?

  2. Äh – nein? dm kann Frau Trinkwalder durchaus mitgeteilt haben, dass sie jetzt auch in Indien Stofftaschen produzieren lässt (im dm-Design, in dem auch Frau Trinkwalder produziert), und sie hat das Ergebnis jetzt erst über Instagram gesehen. Kann man auch so verstehen, oder?

  3. In ihrer eigenen Message bei Twitter steht aber auch: „Fakt ist, dass ich nichts weiter zum derzeitigen Moment dazu sagen kann, weil ich heute, wie in jeder guten Kooperation, erst einmal das Gespräch mit meinem Vertragspartner suchen werde.“ Das stützt dann doch eher meine These. Die Reaktion wäre anders ausgefallen, wenn Kenntnis bestanden hätte. DM hat sich hier nicht transparent verhalten. Die Frage wäre eher, ob sie das müssen. Rechtlich müssen sie das vermutlich nicht. Wenn man jedoch die Werte zugrunde legt, die seitens DM kolportiert werden, würde es dem Anstand gebühren.

  4. Das Prinzip scheint sich zu bewähren. Neuerdings stellt die DM Eigenmarke Pusblu Kinderkleidung her, die den Bioprodukten von Alana zum verwechseln ähnlich sieht und beide Marken hängen auch den Kleiderhaken bunt gemischt. So werden Kunden, die eigentlich die zertifizierten Bioprodukte kaufen würden, verführt, ähnliche Produkte auch aus konventioneller Herstellung zu kaufen. Für mich ist das eine gezielte Irreführung des Kunden, die darauf hinausläuft, mehr von den konventionell hergestellten, billigeren Produkten abzusetzen. Wünschenswert wäre ja, dass beide Marken wenigstens getrennt hängen.

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