Das K.O.-Kriterium

21. November 2010

Wer an ein K.O.-Kriterium gerät befindet sich in einer Sackgasse. Alles was bis hierhin war gilt nicht mehr. Das K.O.-Kriterium ist das Killer-Argument, das ein Projekt, eine Idee oder ein Vorhaben beerdigt. Aus. Vorbei. Entsprechend machtvoll ist diese richtungsänderungseinleitende Aussage. Und entsprechend gerne wird anhand eines K.O.-Kriteriums Macht demonstriert.

Im Kreativ-Umfeld scheitern an vermeintlichen K.O.-Kriterien die schönsten Ideen. Zu hart, zu weich, zu individuell, zu politisch unkorrekt, zu … diese Liste lässt sich fast unendlich fortsetzen. Und sie funktioniert damit als Rechtfertigungsreflex für nahezu jegliches Unbehagen ohne, dass man das Unbehagen dafür tatsächlich benennen muss. Einfach mal auf der Liste der K.O.-Argumente gucken.

Bestandteil jeder Idee sind auch vermeintliche K.O.-Argumente
Betrachter man aktuelle Diskussionen um Facebook, Google Streetview und viele andere Unternehmensideen, fällt auf, dass auch hier sehr schnell zu Killer-Argumenten gegriffen wird. Dabei sind es doch eher Abwägende Prozesse, die hier im Hintergrund stehen. Wie viel Nachteil ist man bereit zu akzeptieren, um den Vorteil zu erfahren. Ist beim Kauf eines Eis nicht viel anders, wie viel wiegt der Genuss des Eis gegen den Verlust an Währungseinheiten auf?

Das K.O.-Argument ist oft der einfachste Weg
Eine Idee zu beerdigen ist meistens einfacher, als für die Umsetzung zu kämpfen. Denn für den Erfolg einer Idee muss man sich richtig anzustrengen und evtl. sogar gegen Widerstände beharrlich durchsetzen. Auf dem Weg lauern Hindernisse, Fehlschläge und viele andere Gründe aufzugeben. Und dennoch verdankt unsere Gesellschaft gerade der Missachtung von K.O.-Kriterien einige maßgebliche Erfindungen, Erfolge  und Innovationen. Allein diese Tatsache sollte einem häufig anhalten das K.O.-Kriterium, welches gerade aus dem Mund herausrutschen will, einfach mal runter zu schlucken und einer Idee zu einer Chance zu verhelfen. Ich sagte ja, es ist manchmal schwerer das Argument nicht abzufeuern, als es zu tun. Vielleicht sollten wir mutiger und toleranter werden.

Meine Startimpuls für diesen Beitrag
Dieser Blogbeitrag entstand nachdem ich eine Reportage über “Harry Potter”-Erfinderin J. K. Rowling gesehen habe, die ganz rührend davon berichtete unter welchen Umständen sie das erste Buch des Bestsellers verfasste. Es zeigte mir, das man sich selbst weniger seinen eigenen K.O.-Kriterien hingeben sollte. Man sollte viel häufiger wagen seine Wünsche zu realisieren und dabei vielleicht Fehlschrite zu begehen. Nur so bleibt man am Ende authentisch und kann seinen persönlichen Erfolg erreichen. Und dazu passt eine (schwer abgedroschene, aber sehr passende) Coaching-Weisheit: Mach es einfach, aber mach es Einfach.

Ich werd’s weiter versuchen und dann …

Den Währungsgedanken überdenken

15. Oktober 2010

Unsere Währung sind Euros, das weiß jedes Kind. Jeder weiß auch ungefähr, was er kaufen kann, wenn er ein paar Euros in der Tasche hat und das Europaweit. Gleiches gilt in vielen Teilen unserer Erdkugel für den Dollar. Jedoch entsteht aus meiner Sicht zunehmend ein Problem, dass auf der heutigen Definition von Währung basiert. Dazu muss man sich fragen: Was ist eigentlich eine Währung? Eine Definition findet man bei Wikipedia (Zur Definition “Währung” bei Wikipedia). Eine andere, stark vereinfachte Definition könnte lauten, Währung ist ein staatlich kontrolliertes Tauschmedium für den Erwerb von Waren und Leistungen.

Währung steht also für Werte oder anders ausgedrückt, Werte werden in Währungseinheiten ausgedrückt. Ein Haus 200.000 Euro, ein Auto vielleicht 20.000 Euro und ein Liter Milch etwas über 1 Euro. Kennen wir, fühlen wir uns wohl mit. Währung gegen etwas, dass wir haben wollen, ein Tauschgeschäft.

Währungen steht für Individualität
Durch das Anhäufen größerer Mengen an Währung ist man in der Lage sehr individuelle Dinge zu tun. Das streben nach möglichst viel Währung ist zugleich der Grundgedanke des Kapitalismus. Es ist der Motor unserer Wirtschaftswelt und die Legitimation für die Produktion von Waren samt umgebenden Dienstleistungsapparat. Ganze Wirtschaftszweige sind zudem nur für die Verwaltung von Währung entstanden, Banken und das Versicherungswesen als Beispiel.

Menschen benötigen Währung für den lebenserhaltenen Tauschhandel mit Dingen für die Befriedigung von Grundbedürfnissen. Dazu gehören Nahrung, Wohnung und Schutz, bzw. Sicherheit. Die Jagd nach möglichst viel Währung ist dabei unterschiedlich ausgeprägt. Viele haben genug Währung zum leben und sind damit mehr oder weniger zufrieden. Andere haben stets zu wenig, zählen zu den Armen. Und wieder andere häufen so viel Währung an, dass einem schwindelig wird.

Währung ist ein Wert, steht aber nicht für Werte
Nahezu jeder in Deutschland kennt die Textzeile eines Schlagers “Ich glaube an die Deutsche Bank, den die zahlt aus in bar” – übertragen bedeutet diese Zeile: Ich glaube an die Währung. Ich glaube an den Wert, den Währung, bzw. Währungseinheiten darstellen. Kurz: Die Kaufkraft, die sich hinter der Währung verbirgt.

Bekannt ist auch der Satz “Man kann nicht alles kaufen”. Dieser Satz lässt ein zweites Wertesystem erkennen, eines, dass sich außerhalb der derzeitigen Definition von Währung bewegt. Wer zum Beispiel eine Straftat begeht, wird (im Idealfall) dafür vielleicht eine zeitlang seine Freiheit verlieren. Ganz unabhängig vom Währungsvermögen. Auch die romantische Liebe sieht keinen Bezug zu Währung vor. Die Kreditkartenfirma Mastercard wirbt sogar damit, dass manchen “unbezahlbar” ist. Und dennoch wird in unserer Gesellschaft fast alles auf die Erwerbsfähigkeit von Währung reduziert. Ich habe dazu im Rahmen der Konflikte um den Bahnhof in Stuttgart (S21 oder Stuttgart21) einen interessanten Artikel in der Online-Ausgabe des Handelsblatts entdeckt, der genau diese Fokussierung verdeutlicht (Zum Artikel).

In den dort beschriebenen Szenarien stoßen unterschiedliche Interessen – oder Werte – aufeinander. Die Unternehmen streben nach Währungsertrag und verändern dabei die Umgebung von Menschen. So geht das Streben nach Währung mit Umweltverschmutzung, Lärm, Landschaftsveränderungen, Verkehrszunahme und vielen anderen Aspekten Hand in Hand. Und weil das Streben der einen nach möglichst viel Währung mit den individuellen Werten anderer im Konflikt steht, wird kurzerhand die blockierte Republik ausgerufen. Möge das jeder für sich selbst bewerten.

Was ist das eigentlich wert?
Ein Liter Milch hat einen Währungswert von etwas über einem Euro. Dabei ist es egal ob die Milch vom Bauern um die Ecke kommt oder ob sie aus Bayern nach Norddeutschland transportiert wurde. Haben beide Produkte im Handel den selben Preis, so haben sie dennoch unterschiedlich viel gekostet. So hat der eine Liter Milch vielleicht 50 km auf der Straße verbracht, während der andere vielleicht 600 km durchs Land gefahren wurde.

Ähnlich verhält es sich mit Produkten, die in so genannten Niedriglohnländern hergestellt werden und dann über viele tausend Kilometer in unseren Laden gelangen. Der Wert einer Ware ist also nicht immer der Preis, den wir bezahlen. Wir tolerieren sogar durch unseren Kauf sehr eigenartige Dinge, wie schlechte Arbeitsbedingungen, Unterdrückung, Lärm, Umweltverschmutzung und Raubbau an der Natur. Und es ist bei weitem nicht so, dass wir das nicht wissen oder zumindest erahnen.

Währung sollte neu definiert werden
Der Wert eines Produktes oder einer Leistung sollte durch verschiedene Faktoren ermittelt werden. Welche Auswirkungen hat die Erstellung und der Transport auf die Umwelt oder die Gesellschaft? Wie viele Individuen müssen Dinge erleiden, damit ein anderes Individuum andere Dinge erfährt, bspw. Wohlstand oder einen Produktnutzen? Wie sehr bereichern sich Einzelne auf Kosten vieler? Was ist mit Fairness? Und vielen anderen Aspekte mehr?

Wer es schafft diese sehr unterschiedlichen Wertansätze in der Werteskala Währung zu vereinen, der wird unserer Gesellschaft und unserer Umwelt für die Zukunft sehr helfen.Luxus darf aus meiner Sicht nicht bedeuten, dass der Erfolgreichste jener ist, der am geschicktesten und nachhaltigsten Mensch- und Umweltressourcen instrumentalisiert. Nur so eine Idee.

Erschwerte Meinungsbildung

11. Oktober 2010

Vor kurzer Zeit habe ich an dieser Stelle über steigende Protestbereitschaft geschrieben. Inzwischen haben die Ereignisse rund um Stuttgart21 mir leider Recht gegeben. Weitere Proteste drohen zu dem im Wendland rund um das Thema Gorleben und Castortransporte. Grundsätzlich finde ich die Bereitschaft zum friedlichen Protest wichtig. Wurde in der Vergangenheit vieles einfach hingenommen, so wird die Zahl derer, die fragwürdige politische Entscheidungen hinterfragen wollen größer. Das politische Engagement steigt – eigentlich eine Situation, die sich Parteien seit vielen Jahren wünschen.

Meinungsbildung ist fast unmöglich
Die Situation um Stuttgart21 zeigt einen deutlichen Verlust an Vertrauen in die politische Führung. Wäre eine klare Sachlage mit verfizierbaren Pro- und Kontra-Argumenten vorhanden, ließe sich eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen in der sorgsam zwischen Nachteilen und Vorteilen abgewägt würde. Nun ist es nicht so, dass ein Milliardenprojekt wie Stuttgart21 sich einfach auf eine handvoll Argumente reduzieren ließe. Daraus leitet sich fast zwangsläufig ein unklares Meinungsbild ab, dass bei den wenigsten ein klares Ja oder Nein produzieren kann. Es entsteht zwangsläufig Unsicherheit, die eher die Zweifler nährt, wenn man nicht offen damit umgeht. Schließlich geht es hier um ein Milliardenprojekt, bei dem eine Menge Steuergelder zum Einsatz kommen sollen.

Vertrauen in die Führung fehlt
Menschen, die sich mit dem Projekt Stuttgart21 beschäftigen, finden selbst in den Medien eine diffuse Nachrichtenlage. Da gibt es eine Menge Visionen, Pläne, Argumente und Gegenargumente. Fast überall steht jedoch geschrieben, dass die Kalkulation der Baukosten auf sehr wackeligen Beinen zu stehen scheint. Ein wichtiges Argument in Zeiten, in denen gerade erst durch Milliardenhilfen für miese Bankgeschäfte unser Land und damit der Steuerzahler stark belastet wurde. Es scheint fast sicher, dass Stuttgart21 hier nahtlos anschließen möchte und weitere Milliardenlöcher in den Haushalt frisst. Doch Politik und Bahnführung wollen genau an diesem neuralgischen Punkt nicht mit Transparenz aufwarten. Vielmehr soll das Prestigeprojekt nun scheinbar mit Gewalt realisiert werden, so verfestigt sich der Eindruck.

Ministerpräsident Mappus macht in diesem Spiel eine ebenso unglückliche Figur, wie Bahnchef Grube. Statt durch möglichst große Transparenz viele Gegenargumente zu entkräften, wird den staatlichen Säbeln gerasselt. Eine Strategie, die spätestens seit den polizeilichen Gewalteskapaden im Stuttgarter Schlosspark gescheitert ist. Jedoch ist keine ministeriale Einsicht zu erkennen. Mit der Folge, dass aus einer reinen Diskussion über einen Bahnhof inzwischen eine bundespolitische Diskussion über die Demokratie wurde. Und diese Diskussion verweist zu gern auf das mangelnde Vertrauen in die politische Führung in Berlin, die sich zu allem Überfluss seit Beginn der aktuellen Legislaturperiode besonders stark mit Vorwürfen des Lobbyismus, der Klientelpoltik und Vetternwirtschaft belastet sieht.

Für eine klare Meinung braucht es Transparenz
Die Bundesregierung, die Landesregierung in Baden-Württemberg und auch der Vorstand des Staatskonzerns Deutsche Bahn sind jetzt gefordert die notwendige Transparenz zu erzeugen. Das sollte keine künstliche Meinungshoheit durch bezahlte PR sein. Vielmehr sollte ein nachvollziehbarer und ehrlicher Prozess der Projektbewertung neu beginnen. Was ist dran an den Argumenten beider Seiten? Wie steht es tatsächlich um die Zahlen? Wie solide wurde kalkuliert, auch unter Betrachtung bestehende Erfahrungswerte? Kann und sollte sich Deutschland so ein Projekt zu diesem Zeitpunkt leisten? Ist es klug, trotz existierender rechtlicher Legitimation in der Vergangenheit das Vertrauen in die Demokratie durch politische Ränkelspielchen zu gefährden? Wurden Alternativen wirklich erfasst und schlüssig bewertet?

Heiner Geissler ist hier gut und mutig in die Vorlage gegangen. Solange keine inhaltliche Transparenz herrscht, ist auch keine Einigung zu erzielen und jeder Kompromiss wird den Beigeschmack eines faulen Kompromisses besitzen. So lange weiter Fakten durch eine Fortführung der Bauarbeiten geschaffen werden, werden sich Menschen ungerecht behandelt fühlen. Und wenn Menschen zu sehr Ungerechtigkeit empfinden, dann gehen sie auf die Straße. Dort kann man ihnen mit Gewalt und Zwang begegnen oder man beschäftigt sich ganz ernsthaft mit den Auslösern dieses Empfindens. Durch ergebnisoffenen Dialog mit Transparenz, Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit.

Der Letzte macht das Licht aus.

Die Protestbereitschaft steigt

24. September 2010

Des Deutschen neues liebstes Hobby ist das Protestieren, könnte man meinen. Ursache diese Wahrnehmung sind aktuell zwei starke Protestlager mit dauerhafter Medienpräsenz. Die immer mal wieder protestierenden Anhänger der verschiedenen Gewerkschaftsorganisationen mal ganz außen vor gelassen.

Aktuelle Brennpunkte: „Stuttgart21“ und „Atomstrom“
In Stuttgart lockt der grad begonnene Umbau des Bahnhofs eine lautstarke Protestgemeinde auf die Straße. Ursache: Ein als Milliarden-Projekt getarnter Umbau des Bahnhofs vom überirdischen Kopfbahnhof zum unterirdischen Durchgangsbahnhof als Bestandteil eines regional abstrahlenden Projekts der staatseigenen Deutschen Bahn. Gegner und Befürworter des Mammutprojekts zetern dabei gleichermaßen am Bauzaun (Siehe bspw. K21 – Ja zum Kopfbahnhof und Bahnprojekt Stuttgart-Ulm), wenngleich man den Stuttgart21-Gegnern etwas mehr Dezibel und etwas mehr Medienwirksamkeit nachsagen kann. Ein heißer Tanz mit Trillerpfeiffen und dem Wissen darüber, seine Freizeit in den Dienst einer guten Sache gestellt zu haben. So oder so.

Das andere Thema ist bereits seit vielen jahren ein Dauerbrenner: Atomstrom und seine Folgen. In Berlin wird das Regierungsviertel am 18.9.2010 von einer Anti-Atom-Demo mit vielen Tausend Protestlern heimgesucht (Die Veranstalter sprechen von über 100.000 Teilnehmern). Ein laut donnerndes und weithin vernehmbares Statement in der deutschen Medienlandschaft, das weit mehr Unterstützer haben dürfte als jene, die in Berlin protestierten, trommelten, tanzten und sangen. Als Niedersachse kennt man das sowieso, denn im Wendland protestiert man seit eh und jeh wegen der Atomabfälle. Das nun sogar in der etwas entfernten Landeshauptstadt Hannover. Dort wird der eigentlich atomfeindliche „Grüne“ Jürgen Trittin auf einer friedlichen Protestveranstaltung von einem als Vermummten verkleideten unfriedlichen Protestler zum Zeichen des Protests mit einer Torte beworfen (Artikel: Trittin-Torte war mit Joghurt gefüllt). Das wiederum ruft neuen Protest auf den Plan, dient aber nicht unbedingt der Sache. Zumal der gemeine Grüne ja so oder so gegen den Atomstrom ist. Dieser nicht unbedeutende Fakt schlägt sich auch in aktuellen Umfragewerten nieder. So haben die Grünen grad ein Allzeithoch zu vermelden. Immerhin 24 % der Wählerstimmen dürften die Grünen erwarten, wäre grad zufällig eine Bundestagswahl (siehe: Berliner Umschau – Die grüne Volkspartei?). Das ist immerhin genau so viel, wie die „große“ SPD am Wahltag zu erwarten hätte.

Nicht vergessen möchte ich den überleitenden Hinweis, dass sie die Grünen neben dem Engagement für den Atomausstieg ebenfalls in Stuttgart beim Bahnhofsprotest engagieren (Siehe: Grüne gegen Stuttgart 21).

Protest reinigt
Es gibt diese schöne Weisheit „ein Gewitter reinige die Luft“. So ähnlich läuft das wohl auch mit einem Protest. Durch einen Protest oder die Summe vieler Proteste werden wichtige Themen für die politische Führung besser sichtbar. Die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke als Beispiel stand zwar schon in den Parteiprogrammen zu Bundestagswahl, war aber nicht das Thema eines zu diesem Zeitpunkt von der Wirtschaftskrise gebeutelten Landes. Heute ist die Wirtschaftskrise nicht mehr so präsent und das damit verbundene Primärbedürfnis nach wirtschaftlicher Sicherheit nicht mehr so präsent. Also ist der Blick wieder frei für die anderen wichtigen Themen. Genau die, die man als politisches Gewissen bezeichnen könnte – also künftige Generationen betreffen. Wieviel Atom verträgt unser Planet? Und vor allem, wo lagert man das Zeug ein, bis es nicht mehr gefährlich ist? Das dauert bei Plutonium rund 240.000 Jahre (Quelle: Wikipedia). Mit der Folge: Die Angst vor der unsichtbaren Gefahr ist überall zu spüren. Auch, nachdem Brände in Russland drohten den Atomstaub von Tschernobyl erneut aufzuwirbeln und so ein zweites Mal für einen radioaktiven Supergau durch das explodierte russische Atomkraftwerk zu sorgen.

Die Wirtschaftskrise hat auch einige solcher Themen in Petto. Meist haben die mit fehlender Ethik, Milliardenbeträgen und Immobilien zu tun. Erkennen Sie evtl. an dieser Stelle Parallelen mit Stuttgart 21? Auch hier geht es ja nicht nur darum, dass dies Projekt nicht eh schon teuer wäre. Vielmehr drohen immense Mehrkosten, die mit der Steuerlast künftiger Generationen steuerzahlender Arbeitnehmer verrechnet werden müssten.

Der nächste Schritt: Vom regionalen oder nationalen zum Internationalen Protest
Die Wirtschaftskrise hat uns gezeigt, viele kritische Themen sind bereits heute von internationaler Bedeutung. Das gilt vielleicht nicht konkret für ein schwäbisches Bahnhofsprojekt. Es gilt aber im ethischen Sinne und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für die Problematik in Umgang und Lagerung von Atomabfällen. Unmittelbar damit verbunden sind nahezu alle Energiethemen, also auch der steigende Bedarf an fossilen Brennstoffen. Weltweit gilt es sich zügig über den Aufbau einer funktionierenden und nachhaltigen Infrastruktur für die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energiequellen Gedanken zu machen.

Den Druck hoch halten
Protest ist ein gutes Mittel den Druck auf die Regierungen zu erhöhen. Er ist ein gutes Mittel dem Lobbyismus den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zusätzlich ist Protest ist ein hervorragendes Mittel für den gezielten Aufbau von Handlungsdruck. Schafft es ein Protestgedanke über einen längeren Zeitraum Massen zu bewegen, dann werden scheinbar unerreichbare Ziele möglich. Das lehrt der Blick in die Geschichtsbücher und das sollte Motivation geben.

Eine große Chance ist die Möglichkeit, Informationen dank der die modernen Medien immer besser zu verbreiten. Protestbewegungen können heute quasi im Eigenverlag eine große Reichweite auf der Basis von relevanten Themen erzielen. Die Abhängigkeit von den mit Politik und Wirtschaft verwobenen Massenmedien sinkt dadurch. Mit dem Effekt, dass bspw. Forschungsergebnisse ungefiltert publiziert werden können und hinter einem Protest eine informierte Gruppe an Menschen steht. Auch politisch unangenehme Themen und höchst verschwörerische Geheimnisse können durch diese Vernetzung und Reichweite immer schlechter im Verborgenen gehalten werden. Der Bürger kann sich, wenn er will, wirklich eine eigene Meinung bilden. Und genau das sollten wir kultivieren: Protest auf der Basis valider Informationen.

Dafür!

Versicherungswerbung die nicht halten kann, was sie verspricht

23. August 2010

Seit einigen Wochen werden wir im TV mit den neuen Werbespots der Ergo Versicherung angesprochen. Diese Spots halte ich grundsätzlich für sehr gelungen, deshalb zeige ich exemplarisch zwei der drei mir bekannten Spots:

Der Ansatz ist aus werblicher Sicht perfekt. Hier wird ein hoher Kundennutzen offeriert, der zugleich eine optimale Differenzierung zum Wettbewerb bedeutet. Besser kann man Werbung eigentlich nicht machen.

Die Versicherungsrealität sieht anders aus
Ein unüberschaubarer Wust an Kleingedruckten rechtfertigt in vielen Fällen einen wirksamen Leistungsausschluss. Das Ergebnis: Versichert und trotzdem nicht versichert. Wie konnte das passieren? Da wird in den gerne sehr komplizierten Antragsformularen aus Versehen an einer Stelle ein Kreuzchen vergessen oder auf Anraten des Vertreters dies oder jenes unter den Tisch fallen gelassen, was später als justiziabel verwertbarer Bumerang zurückkommt. Man hat das so unterschreiben und es gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Dann sind da noch die akzeptierten Versicherungsbedingungen. Bei meiner Versicherung bekomme ich die inzwischen auf einer CD-ROM, weil das Ausdrucken hunderte Seiten an bedrucktem Papier bedeuten würde. Mit meiner Unterschrift bestätige ich, dass ich die Versicherungsbedingungen zur Kenntnis genommen habe. Bullshit, “den möchte ich sehen”. Und ganz zum Schluss unterschreibe auch noch ein Beratungsprotokoll in dem ich auf Beratung verzichte, denn diese ganze Bürokratie nervt eigentlich nur. Der Versicherungsvertreter/-makler erhält so zugleich sein Persilschein und ist raus aus der Nummer. Eine tolle Welt.

Die Erlösung?
Jetzt kommt Ergo mit der Idee eines unkomplizierten und einfach verständlichen Services. Großartig, das ist sehr zu begrüßen und fast schon als Marktrevolution zu bewerten. Jedoch ist die bei mir geweckte Erwartungshaltung wohl kaum zu erfüllen:

  • Versicherungsbedingungen (Das berühmte Kleingedruckte): Gesetzlich verpflichtet
  • Beratungsprotokoll: Gesetzlich verpflichtet
  • Komplizierte Versicherungsmodelle: Nicht zu vermeiden

Der Gesetzgeber
Gerne bin ich gewillt der Ergo-Versicherung zu glauben, dass man seinen Kunden einfachere Produkte anbieten will. Es wird sicher auch ein oder zwei kleinere Versichungen geben, bei denen das funktioniert. Wer jedoch komplexere Versicherungen abschließen möchte, wie beispielsweise eine private Krankenversicherung oder eine fondsgebundene Lebensversicherung … da waren sie wieder, die vielen hundert Seiten an Kleingedrucktem. Der Gesetzgeber will es so und eine Versicherung wäre keine gute Versicherung, würde sie sich nicht maximal absichern wollen. Schließlich ist sie den Shareholdern verpflichtet und soll möglichst hohe Gewinne erwirtschaften.

Die heile Welt der Ergo-Werbung ist wünschenswert aber unglaubwürdig
Die Ergo Versicherung nutzt neben dem Fernsehen auch Social Media Kanäle für die aktuelle Kampagne. Mein lieber Kollege Tapio Liller hat sich mit diesen Aktivitäten bereits in seinem Blog beschäftigt (Zum Beitrag). Hier meldet sich in den Kommentaren auch eine Kommunikationsverantwortliche des Konzerns zu Wort, also gerne auch durch die Kommentare klicken.

Die heile Welt der Ergo ist aus Werbesicht eine gelungene Idee. Nur zu gerne wollen wir glauben, das Versicherungen so funktionieren können. Die reale Welt sieht anders aus, allein schon durch die vielen Vorgaben seitens des Gesetzgebers. Und so sehr man sich einem werblich versprochenen unkomplizierten Versicherungsgeschäft “auf Augenhöhe” hingeben möchte … am Ende verdient immer die Versicherung.

Switch to our mobile site