Die Führungskraft macht den Unterschied

25. August 2011

Der Tag begann mit einem Donnerschlag für die Apple-Gemeinde. Steve-Jobs hat seinen Rücktritt erklärt (Artikel bei T3N) und schockt damit die Fans des Unternehmens aus Cupertino. Aber warum ist das so? Steve Jobs steht wie keine andere Person für die Kreativität, den Innovationsgeist und den Perfektionismus des Unternehmens. Er ist ein Anführer, der das ehemals vom Untergang bedrohte Unternehmen zu einer der wertvollsten Marken der Welt aufgebaut hat. Er ist dabei nicht unumstritten, aber erfolgreich.

Auf die Führungspersönlichkeit kommt es an

Als ich am Morgen vom Abschied Steve Jobs’ hörte, dachte ich zuerst: Egal, ein anderer wird das schon weiterführen können. Aber wie muss der aussehen und welche Fähigkeiten muss diese Person in sich vereinen. Es wird schwer, diese Häufung an Talent, Führungsvermögen und individuellen Fähigkeiten zu ersetzen.

Schaue ich auf Deutschland, haben wir auch genau an dieser Stelle ein großes Defizit. Wir werden von einer unkreativen und brummigen Führungskraft re(a)giert, der man nicht nachsagen kann, dass das, was dort geschieht einem höheren Plan folgen würde. Deutschland braucht auch so eine Art Steve Jobs, jemanden, der einen Plan hat und seine Visionen zu verwirklichen weiß. Jemanden der agiert statt immer nur zu reagieren.

Indem Sinne: Danke Steve Jobs und abdanken Angela Merkel.

Ein Unglück biblischen Ausmaßes

16. März 2011

Blickt man auf die Ereignisse in Japan, so wird einem schnell klar, dass dies ein Unglück biblischen Ausmaßes ist. Erdbeben, Flut, Vulkanausbruch und eine atomare Verseuchung sind jedes einzelne Ereignis für sich schon unglaublich grausam. Das Erdbeben hat das Land noch halbwegs gut überstanden, aber die Flut traf di betroffenen Küstenbewohner unvorbereitet. Bereits zum zweiten Mal erleben wir anhand vieler Fernsehbilder wie zerstörerisch Wasser sein kann, welche unvorstellbaren Verwüstungen damit einher gehen.

Und trotzdem ist die Tragödie in der Tragödie eine andere. Die ganze Welt schaut auf die Atomkraftwerke von Fukushima. Drei Reaktoren stehen in der Folge von beben und Flut kurz davor eine enorme atomare Verseuchung herbeizuführen. Die Folgen sind heute unabsehbar und weltweit fürchtet man sich vor dieser Zukunft. Schließlich kann man die Gefahren der Atomspaltung weder riechen, noch schmecken oder sehen.

Die unsichtbare Gefahr
Atomenergie ist sicher, wurde stets propagiert. Und das weltweit. Abgesehen von der ungelösten Entsorgungsproblematik sei diese Art der Energiegewinnung zudem auch noch sehr umweltfreundlich, da kaum Ressourcen vernichtet werden, geschweige denn eine direkte Verschmutzung der Umwelt stattfindet. Dennoch ist das strahlende Material ein großes Problem. Nicht ein Land auf diesem Planenten hat eine wirklich tragbare Lösung für den Umgang mit den Reststoffen gefunden. Und wie das aktuelle Geschehen in Japan zeigt, hat nicht ein Land mit den Atomreaktoren eine wirklich sichere Energiequelle erschlossen. Die Gefahr ist unsichtbar und schleichend. Die Folgen werden Jahrzehnte später erst richtig durchschlagen.

Postenrettungswahlkampf

Vor diesem Hintergrund und mit Tschernobyl, wo bereits einen realer Case für das Gefahrpotenzial “passiert” ist verwundert es sehr, dass große Teile der Politik immer noch der rein ertragsfokussierten Diskussion folgen und Atomstrom als billige Alternative betrachten. Aktuelle Handlungen von CDU und FDP sind vor diesem Hintergrund absolut unglaubwürdig. Wurden die Damen und Herren samt Kanzlerin plötzlich geläutert und erkennen die immer da gewesenen Gefahren. Oder ist es letztendlich nur so etwas wie Postenrettungswahlkampf mit Betroffenheits-Charme. Schließlich stehen drei Landtagswahlen an.

Es fehlen nach meinem dafürhalten Ansätze, die wirklich eine energiepolitische Weitsicht besitzen. Zuerst wird zugelassen, dass Energieriesen ein einst staatliches Energienetz zugunsten der Rendite verlottern lassen und dann wird mittels Lobbyismus auch noch auf eine Verlierertechnologie gesetzt. Das war blind, das ist blind und es wird vermutlich immer blind bleiben. Sollen solche Leute unser Land regieren? Leute, die zulassen, dass wirtschaftliche Ressourcen vernichtet werden, das die Bevölkerung finanziell ausgeblutet wird und zu guter letzt nicht mal der eigene Job verantwortungsvoll und mit Weitblick erfüllt wird? Ich denke nicht.

Weg mit diesen manipulierten, lobbytreuen Politikern und weg mit diesen fehlgeleiteten Energie-Managern ohne Respekt vor der Zukunft. Wir schulden unserem Planenten eine lebenswerte Zukunft und nicht schnell erwirtschaftete Rendite, die billigend die Zerstörung von großen Teilen unserer Umwelt in Kauf nimmt! Weg mit Merkel, Mappus und Co. Wir brauchen bessere, verantwortungsbewusstere Leute!

Die Solidargemeinschaft Büroküche

31. Januar 2011

Heute nur ganz kurz. Die Solidargemeinschaft der Büroküche ist vermutlich in nahezu jedem Büro ein sozialer Brennpunkt. Da gibt es welche, die ihr Zeug nicht in die Spülmaschine einräumen. Dann gibt es welche, die die Spülmaschine nicht ausräumen. Dann gibt es die, die alles leer machen und nicht auffüllen. Oder die, die scheinbar soviel haben, dass sie es sogar im firmeneigenen Biotop des Büroküchenkühlschranks verwesen lassen können.

Auch nicht unerwähnt lassen möchte ich auch die Mitesser. Jene, die gerne (ungefragt) die Sachen anderer verbrauchen ohne passenden Ersatz zu beschaffen. Oder oder oder … jeder von Ihnen wird noch mehr dieser Spezies kennen. Eigentlich lustig, wenn’s nicht so ernst wäre. Und was machen Sie, wenn bei Ihnen in der Büroküche mal wieder die Kaffeemaschine explodiert ist und es keiner war? Ich freu mich auf die besten Tipps.

Wikileaks – Oder die Suche nach der moralischen Instanz

14. Dezember 2010

Fast hat es den Anschein, als wären Judikative, Legislative und Exekutive an ihre Grenzen gestoßen. Das Gesetz sagt Unrecht und das Herz verneint diese Aussage. Eine Situation, die wir aus fast jedem amerikanischen Film kennen. Der Superheld darf für die Erreichung seiner Ziele Unrecht begehen, in dem er das Böse vernichtet, um das Gute zu erhalten. Klare Sache mit Happy-End-Garantie, zumindest bei “Made in Hollywood”.

Nun erlebt die Weltpolitik einen Fall in dem ähnliche Faktoren eine Rolle spielen. Zum einen ist da die Supermacht USA mit nicht immer transparentem Handeln. Zum anderen ist da mit Julian Assange jemand der sich traut die Leichen aus dem Keller der Supermacht auf seiner Plattform Wikileaks zu veröffentlichen. Es ist schwer hier zwischen Gut und Böse zu differenzieren, schließlich beansprucht die USA für sich auf Seite der Guten zu stehen. Und dennoch ist das Vertrauen der Weltbevölkerung in Anspruch und Wirklichkeit gestört.

Gesetze haben keine Moral
Ein Gesetz sieht eine moralische Bewertung vom Prinzip nicht vor, auch, wenn vor Gericht durchaus moralische Betrachtungen einfließen. Die Handlungsweise einer Regierung basiert im wesentlichen auf Gesetzen und der Idee den Ist-Zustand zu verbessern. Im besten Fall will eine Regierung also das beste für das regierte Volk. Tatsächlich wird Regierenden unterstellt, sie seihen sich selbst am nächsten – eine nicht ganz abwegige und auch noch nachvollziehbare Betrachtung. Dennoch wünschen wir uns im Herzen, dass Regierungen dem “höheren” Ziel folgen und ihren Auftrag zugunsten des Wohls der Bevölkerung ausleben. Das wiederum ist eine sehr moralische Betrachtung, denn die Grenzen zwischen eigenem Wohl und dem Gemeinwohl sind fließend. Genau, wie das Rechts und Unrechtsempfinden je nach Standpunkt unterschiedlich ausgeprägt ist.

Wikileaks beleuchtet Verborgenes

Das neue an der international beachteten Whistleblower-Plattform Wikileaks ist die Größenordnung der an die Oberfläche gebrachten Staatsgeheimnisse. Man könnte auf der einen Seite sagen, wo kein Kläger, da kein Richter und dies als Legitimation für Geheimniskrämerei von Regierungen bewerten. Man könnte aber auch sagen, wo Unrecht vertuscht wird geschieht noch mehr Unrecht. Die Bewertung dieser Situationen kann dann wieder nach zwei Grundsätzen erfolgen, rechtlichen und moralischen. Erstaunlich ist dabei, dass trotz klarer Rechtslage der rechtliche Aspekt bisweilen, sagen wir mal, gedehnt wird. Der Staat ist das Gesetz, könnte man das interpretieren. Spätestens, wenn diese Methodik einen Nährboden findet ist das Argument der rechtlichen Prüfung nicht ganz Nebenwirkungsfrei. Und je öfter so etwas geschieht, desto intensiver wird der Wunsch nach moralischen Instanzen wachsen. Eine Situation, die wir in Deutschland auch beobachten können, wenn wir beispielsweise auf die Brandherde Stuttgart21 oder Gorleben blicken und deren Nutznießer die Grünen als empfundene moralische Instanz sein dürften.

Wikileaks wird nun ebenfalls in den Status einer moralischen Instanz erhoben, zumindest aus der Betrachtung vieler Leser und Sympathisanten. Eine Instanz, die der Supermacht USA auf die Finger schaut. Eine Instanz, die die notwendige Reichweite erzeugen kann, um politische Fehltritte in politische Beben zu wandeln. Vertuschen zwecklos, denn die neue Transparenz nimmt keine Rücksicht auf politische Hierarchien und Netzwerke. Das ist neu und bedeutet zugleich ein Bevölkerungsbewertetes Kontrollorgan für die Mächtigen dieser Welt. Das dies absolut nicht schmeckt und die Souveränität im Umgang mit dieser neuen Transparenz fehlt, zeigen die machtgetriebenen Verdrängungsmechanismen der US-Regierung. Wikileaks soll vernichtet werden, so wird klar vermittelt. Dazu werden eigentlich autonome Unternehmen in diese Richtung “überzeugt” und instrumentalisiert. Dies zudem scheinbar ohne einer rechtlichen Legitimation. Ein erschreckendes Szenario, dass man sonst nur von Diktaturen oder Militär-Regierungen kennt, aber nicht von der freiheitsliebenden USA.

Das präsentierte Verhalten stößt inzwischen in großen Teilen der Welt auf harsche Ablehnung und wird durch die freie Presse abgestraft. Damit wurde dem Thema noch mehr Öffentlichkeit teil. Das kennt man unter dem Begriff des Streisand-Effektes – etwas das verborgen bleiben soll, wird durch die Bemühungen des Verbergens immer bekannter. Und so wird sich die US-Regierung intensiv Gedanken darüber machen müssen, wie man zukünftig mit der Gefahr der Offenlegung von Verborgenem umgeht. Erste Schritte sind dafür bereits getan. Der Kreis jener, welcher auf die Unsumme an Geheimnissen im Diplomatischen Netzwerk zugreifen konnte wurde drastisch eingeschränkt. Darüber hinaus sollen Methodik des Informationstransportes und Lagerung des Wissens neu organisiert werden. Genau genommen sind das jedoch Augenwischerei, denn es wird nicht das eigentliche Problem – moralisch bedenkliches Verhalten – behandelt, sondern die Folgen durch den Verrat dieser diplomatischen Fehltritte, wenn man das so nennen möchte.

Dennoch gilt: Die Welt braucht Geheimnisse
Jeder von uns braucht Geheimnisse. Und jeder von uns braucht Vertraute, mit denen er diese Geheimnisse teilen kann. Auch dieser moralische Aspekt gilt weiterhin geschützt zu werden. Regierungen, Unternehmen und Personen wollen keine totale Transparenz, das zeigt nicht zuletzt die an Intensität zunehmende Diskussion über die Privatsphäre in Deutschland. Diese Diskussion ist von dem Wunsch getrieben sich vor einem Missbrauch seiner Daten zu schützen – einer moralisch verwerflichen Vorteilsnahme durch andere.

Innere Sehnsüchte treiben uns an
Die Sehnsucht nach geltenden moralischen Werten wird immer öfter formuliert und ist inzwischen häufig zu spüren. Daran haben auch Bankenkrise, Maßlosigkeit und Verantwortungslosigkeit bei wirtschaftlichen Handeln und schwer nachvollziehbare politische Entscheidungen ihren Teil. In der Summe sind das vermutlich gute Gründe, warum Wikileaks in großen Teilen der Welt so sehr beachtet wird. Gründe, die Regierenden zu denken geben sollten.

Es bleibt außerdem zu wünschen, dass Wikileaks die Trennung von Moral, öffentlichem Interesse und eigenem Machtstreben weiterhin gelingt. Das Prinzip des Whistleblowings hingegen dürfte kaum mehr zu stoppen sein – mit der Folge einer steigenden Anforderung an das Verantwortungsbewusstsein von Regierenden, sei es in Politik oder Wirtschaft.

Das Johari-Fenster aufstoßen

29. November 2010

Aktuell entbrandet eine öffentliche Debatte über die „Cablegate“ genannten aktuellen Veröffentlichungen bei Wikileaks. Dort werden geheime, interne Notizen gezeigt, die von Diplomaten und anderen Außendienstmitarbeitern des amerikanischen Außenministeriums verfasst und an das selbige über eine Art Intranet versandt wurden. Erlangtes Wissen wurde übermittelt – sowohl Fakten, als auch Gehörtes und Vermutetes. Auch persönliche Beurteilungen von Situationen und Personen gehören dazu. Flurfunk eben – nur diesmal auf höchstem politischen Level. Und jetzt wo er öffentlich ist, ist das geschriebene sicher nicht besonders angenehm. Weder für die internen Kreise, für die diese Informationen bestimmt waren, noch für deren Absender und genauso wenig für die Personen über die dort geurteilt wurde. Eben genau so unangenehm, wie die Kenntnis darüber sein kann, wenn man erfährt was die Nachbar-Clique so über einen tratscht und denkt.

Das Johari-Fenster
Spannend ist in diesem Zusammenhang eine Übertragung der Geschehnisse auf das Modell des Johari-Fensters (Beschreibung Johari-Fenster bei Wikipedia). Hier ein Auszug:

Das Johari-Fenster ist ein Fenster bewusster und unbewusster Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale zwischen einem Selbst und Anderen oder einer Gruppe. Entwickelt wurde es 1955 von den amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham. Die Vornamen dieser beiden wurden für die Namensgebung herangezogen. Mit Hilfe des Johari-Fensters wird vor allem der so genannte „blinde Fleck“ im Selbstbild eines Menschen illustriert.

Es spielt in der gruppendynamischen Arbeit seit den 1960/70er Jahren eine bedeutsame Rolle zur Demonstration der Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung und gehört zum Standardrepertoire gruppendynamischer Modelle und Verfahren. Systematisch gehört es zur differentiellen und Persönlichkeitspsychologie, zu den Abwehrmechanismen, zur Sozialpsychologie und Gruppendynamik.

Das Modell basiert im wesentlichen auf der Annahme, dass es öffentliche und geheime Informationen über Personen gibt. So könnte man den im Johari-Fenster beschriebenen Effekt des Blinden Flecks als eine Abweichung zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung beschreiben. Das bedeutet, Selbstbild und Fremdbild sind selten Deckungsgleich. Und genau das können wir nun bei der Betrachtung der internen Dokumente des US-Außenministeriums erkennen.

So sind die Beurteilungen der Amerikaner über deutsche Politiker für diese selbst vielleicht anmaßend und unangenehm, man hat aber selbst als Bewohner dieses Landes nicht den Eindruck, dass die Urteile wirklich falsch wären. Die mir bislang bekannten Urteile treffen eigentlich ganz gut und passen zu dem Bild, welches ich über die genannten Politiker habe (genannte Zitate in einem TAZ-Artikel).

„Cablegate“ bietet große Chancen für die internationale Diplomatie
Klar, dass die Amerikaner unter der aktuellen Situation in den nächsten Wochen und Monaten leiden werden. Sie mussten durch die Veröffentlichungen sprichwörtlich die Hosen runter lassen. Eine neue Erfahrung für die Supermacht, die aber zugleich die Chance bietet abseits des politischen Schauspiels in vielen Fragen auf der Sachebene weiter zu kommen. So könnten sich manche der nicht so gut beurteilten Personen fragen, ob das nun veröffentlichte nicht vielleicht so etwas wie der eigene Blinde Fleck sein könnte. Verbunden mit der Idee, das man sich daraus weiterentwickelt.

Nehmen wir beispielsweise das Urteil über Herrn Schäuble. Der von den Amerikanern (soweit man hier von der Summe der Amerikaner und nicht von einer Einzelmeinung sprechen kann) beschriebene „zornige alte Mann“ wurde ja gerade erst sehr öffentlich vorgeführt, als der inzwischen ehemalige Ministeriums-Sprecher Offer vor laufenden Kameras zornig und unangemessen abgestraft wurde. Wie ich oben schon schrieb, soweit weg sind die Beurteilungen nicht. Jetzt müsste man schauen, was man daraus macht. Als Politiker, aber vielleicht auch als Wähler.

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