Versicherungswerbung die nicht halten kann, was sie verspricht

23. August 2010

Seit einigen Wochen werden wir im TV mit den neuen Werbespots der Ergo Versicherung angesprochen. Diese Spots halte ich grundsätzlich für sehr gelungen, deshalb zeige ich exemplarisch zwei der drei mir bekannten Spots:

Der Ansatz ist aus werblicher Sicht perfekt. Hier wird ein hoher Kundennutzen offeriert, der zugleich eine optimale Differenzierung zum Wettbewerb bedeutet. Besser kann man Werbung eigentlich nicht machen.

Die Versicherungsrealität sieht anders aus
Ein unüberschaubarer Wust an Kleingedruckten rechtfertigt in vielen Fällen einen wirksamen Leistungsausschluss. Das Ergebnis: Versichert und trotzdem nicht versichert. Wie konnte das passieren? Da wird in den gerne sehr komplizierten Antragsformularen aus Versehen an einer Stelle ein Kreuzchen vergessen oder auf Anraten des Vertreters dies oder jenes unter den Tisch fallen gelassen, was später als justiziabel verwertbarer Bumerang zurückkommt. Man hat das so unterschreiben und es gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Dann sind da noch die akzeptierten Versicherungsbedingungen. Bei meiner Versicherung bekomme ich die inzwischen auf einer CD-ROM, weil das Ausdrucken hunderte Seiten an bedrucktem Papier bedeuten würde. Mit meiner Unterschrift bestätige ich, dass ich die Versicherungsbedingungen zur Kenntnis genommen habe. Bullshit, “den möchte ich sehen”. Und ganz zum Schluss unterschreibe auch noch ein Beratungsprotokoll in dem ich auf Beratung verzichte, denn diese ganze Bürokratie nervt eigentlich nur. Der Versicherungsvertreter/-makler erhält so zugleich sein Persilschein und ist raus aus der Nummer. Eine tolle Welt.

Die Erlösung?
Jetzt kommt Ergo mit der Idee eines unkomplizierten und einfach verständlichen Services. Großartig, das ist sehr zu begrüßen und fast schon als Marktrevolution zu bewerten. Jedoch ist die bei mir geweckte Erwartungshaltung wohl kaum zu erfüllen:

  • Versicherungsbedingungen (Das berühmte Kleingedruckte): Gesetzlich verpflichtet
  • Beratungsprotokoll: Gesetzlich verpflichtet
  • Komplizierte Versicherungsmodelle: Nicht zu vermeiden

Der Gesetzgeber
Gerne bin ich gewillt der Ergo-Versicherung zu glauben, dass man seinen Kunden einfachere Produkte anbieten will. Es wird sicher auch ein oder zwei kleinere Versichungen geben, bei denen das funktioniert. Wer jedoch komplexere Versicherungen abschließen möchte, wie beispielsweise eine private Krankenversicherung oder eine fondsgebundene Lebensversicherung … da waren sie wieder, die vielen hundert Seiten an Kleingedrucktem. Der Gesetzgeber will es so und eine Versicherung wäre keine gute Versicherung, würde sie sich nicht maximal absichern wollen. Schließlich ist sie den Shareholdern verpflichtet und soll möglichst hohe Gewinne erwirtschaften.

Die heile Welt der Ergo-Werbung ist wünschenswert aber unglaubwürdig
Die Ergo Versicherung nutzt neben dem Fernsehen auch Social Media Kanäle für die aktuelle Kampagne. Mein lieber Kollege Tapio Liller hat sich mit diesen Aktivitäten bereits in seinem Blog beschäftigt (Zum Beitrag). Hier meldet sich in den Kommentaren auch eine Kommunikationsverantwortliche des Konzerns zu Wort, also gerne auch durch die Kommentare klicken.

Die heile Welt der Ergo ist aus Werbesicht eine gelungene Idee. Nur zu gerne wollen wir glauben, das Versicherungen so funktionieren können. Die reale Welt sieht anders aus, allein schon durch die vielen Vorgaben seitens des Gesetzgebers. Und so sehr man sich einem werblich versprochenen unkomplizierten Versicherungsgeschäft “auf Augenhöhe” hingeben möchte … am Ende verdient immer die Versicherung.

Feldwege für Europa

17. August 2010

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Landwirt. Auf Ihrem Hof stehen vermutlich mindestens 2 Traktoren, beide mit einem Allradantrieb versehen. Bodenfreiheit, kein Problem, auf dem Acker gelten andere Gesetze. Der Weg zum Acker, einFeldweg. Etwa so, wie dieser hier mit links und rechts jeweils einer Fahrspur und dazwischen etwas Wildwuchs.

Und jetzt kommt die EU. Da werden Gesetze gemacht, Förderungen entworfen und plötzlich wird ein Feldweg neu asphaltiert.

Nur, um das gleich klar zu stellen, explizit dieser Feldweg sah schon länger so aus, nur, dass der Asphalt nicht mehr ganz so taufrisch war. Aber es ließ sich sogar auf Inline-Skates noch ohne Probleme darauf fahren. Nun hat die Gemeinde Uetze beschlossen, man nehme etwas EU-Fördermittel, einen eigentlich noch einwandfreien Feldweg und asphaltiere mit ordentlich Steuergeldern noch mal drüber. Zum Abschluß noch ein Schildchen dran und fertig. Und der Weg führt nicht mal in europäische Ausland. Ein stinknormaler Weg am Rande der Region Hannover in Niedersachsen – jetzt mit Schild.

Europa fördert Niedersachsen. Oder vielleicht doch eher so: Europa verbrennt Steuern. Da sollte man gegensteuern. Es kommen in letzter Zeit eine Menge Gesetze und EU-Förderungen, die keiner wirklich benötigt, die aber zweifelsfrei dazu geeignet sind die zahlreichen EU-Fördertöpfe zu leeren. Brauchen wir das? Ist dass das richtige Signal an die Steuerzahler in Deutschland, die gerade erst großen Anteil an der Rettung des maroden Bankensystems hatten?

Feldwege für Europa – nur ein Irrweg des Europa Parlaments. Kreisel sind ja schon durch, wir dürfen also gespannt sein, wofür wir als nächstes Steuern zahlen.

Adieu Maschseefest

11. August 2010

Das Maschseefest in Hannover begeistert Jahr für Jahr viele Menschen zu einem Ausflug an die Ufer des namengebenden Sees im Herzen der niedersächsischen Landeshauptstadt. Wie jedes Jahr versuchen die Gastronomen mehr Besucher als im Vorjahr anzulocken, um so in neue Umsatzhöhen vorzustoßen. Dies mit dem Preis steter Weiterentwicklung des Produktes Maschseefest. Das bleibt leider nicht ohne Folgen. Wo man früher ein leckeres Bratwürstchen frisch von Grill bekam stehen heute durchgestylte 2-geschossige Stände. Wo einst Kleinkünstler ein paar “Spendeneuro” durch artistische Vorführungen einspielten sind heute nur noch Menschenmassen, die sich kaum bewegen können. Der Versuch an Essen oder Trinken zu kommen ist ein fast hoffnungsloses Unterfangen im Bereich des Nordufers, sei denn, man ist bereit dafür bis zu einer Stunde zu investieren.

Mein Fazit zum Maschseefest 2010: Zu groß, zu gestylt, zu viele Besucher. Back to the roots.

Eine Lebenseinstellung: Friede, Freude, Eierkuchen

26. Juli 2010

Das Drama rund um die 19 Toten und vielen Verletzten bei der Loveparade am vergangenen Samstag hat sicher nicht nur mich schwer erschüttert. Als Besucher habe ich selbst bereits an bestimmt 10 Loveparades teilgenommen. Ich kann in etwa nachfühlen, wie es sich in mitten einer solch großen Menschenmenge anfühlt, wenn sich dort auf einmal Verschiebungen ergeben, die auf feste Hindernisse stoßen. Das ist nicht angenehm und man möchte so schnell wie möglich aus dieser Situation entfliehen. Wie gut dieses “fliehen” in Duisburg geklappt hat, kann/konnte man in den Medien verfolgen. Mein aufrichtiges Beileid an die Angehörigen.

Verhältnismäßigkeit sollte jetzt gewahrt werden
Als in den Medien bekannt wurde, dass der Veranstalter ein endgültiges Ende der Veranstaltung aussprach, hat mich das erschrocken. Das Geschehen ist tragisch, keine Frage! Deshalb aber gleich einer der großartigsten Veranstaltungen dieses Landes gänzlich den Saft abzudrehen, das halte ich persönlich für übertrieben. Dadurch würde man genau den Spirit töten, der einst mal den Grundstein für die Loveparade gelegt hat: Friede, Freude, Eierkuchen. Elektronische Musik mit friedlichen Menschen tanzend und gut gelaunt unter freiem Himmel zu genießen, das war über viele Jahre ein überwältigendes, sehr positives Erlebnis. Natürlich hat dieser Spirit bereits durch das stete Wachstum und die Kommerzialisierung der Veranstaltung bereits gelitten, aber dennoch aktivierte er immer wieder hunderttausende Menschen. Es scheint, als sehen man sich nach solchen Festen in denen man den schlechten Nachrichten für einen Moment entfliehen kann.

Nun wurde das Fest selbst zur “Bad News”, weil offensichtlich schlechte Planung und menschliche Gruppendynamik zu einem Unglück führten. Daraus kann man lernen. Daraus MUSS man lernen. Und man sollte den Spirit eben gerade nicht mit den Opfern dieser Tragödie beerdigen!

Ein Wort noch zu den Medien …
Der Medienvoyeurismus mit dem diese Tragödie kommerziell über Sender und Printformate “vermarktet” wird, ist aus meiner Sicht die eigentliche Botschaft dieses Unglücks. Schlechte News verkaufen besser – eine alte Medienweisheit an die man sich dieser Tage wohl gerne erinnert. Da ist der WDR mit einer wirklich erschreckenden Berichterstattung vom Ort des Geschehens zu nennen und gleich dahinter unser deutschen liebste Zeitung, die Bild. Wohin führt dieser widerliche Voyeurismus unsere Gesellschaft? Und an welchen Stellen sollte man lieber ethische Grenzen fordern und setzen?

Statussymptome

20. Juni 2010

Seit einiger Zeit gibt es eine recht gelungene Werbekampagne vom Automobilhersteller Dacia, die unter der Überschrift “Haben Sie Statussymptome” läuft. Hier ein Beispielspot aus der Kampagne:

Was steckt dahinter? Zum einen ist es natürlich die Werbebotschaft eines so genannten Billigherstellers von Kraftfahrzeugen. Zum anderen ist es aber auch eine sehr interessante Frage nach fest in der Bevölkerung verankerten Werten.

Unser gesamtes System fokussiert auf das Ziel der Statuserlangung. Gut sichtbare Parameter von Status sind gemeinhin die Autos, die der oder die Person ihr eigen nennen darf. Je dicker die Karre, desto mehr Status. Einfache Regel, aber nicht zuverlässig. Anders sieht das mit militärischen Statuskennzeichen aus. Der militärische Rang ist gleichbedeutend mit dem Status in der militärischen Gesellschaft – Ansager oder Kanonenfutter ist hier die Frage.

Vergleicht man beide Systeme wird die Vielzahl möglicher Kennzahlen zur Ermittlung von Status sichtbar. Das Prinzip ist jedoch immer gleich. Erobere Dir einen Status, behalte ihn oder noch besser, baue ihn aus. Das ist unser Leben. Dies Leben ist in Zeiten schwindender Ressourcen eben vom Statusverlust bedroht. Da ist es doch nur schlüssig nach Statussymptomen zu fragen, meinen Sie nicht?

Ich würde mich freuen, wenn diese intelligente Kampagne eine ähnliche Kraft erhält wie “Geiz ist geil” vor einigen Jahren. Und wie sieht es bei Ihnen aus, leiden Sie auch an Statussymptomen?

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